Der LSQpRT verurteilt den Anschlag auf den Berliner CSD und jede Form von queerfeindlicher Gewalt

Der Anschlag auf den Berliner Christopher Street Day am 25. Juli 2026 hat die queere Community tief erschüttert. Ein Mensch verlor sein Leben, 16 weitere Menschen wurden verletzt – mehrere von ihnen schwer. Der CSD wurde dadurch zu einem Ort der Trauer, des Schocks und der Fassungslosigkeit.[5][7]

Unsere Gedanken sind bei der getöteten Person, den Verletzten, ihren Angehörigen und allen Menschen, die den Angriff miterleben mussten.

Ein CSD ist keine unpolitische Party. Er ist eine Demonstration für gleiche Rechte, Selbstbestimmung, Sicherheit und Menschenwürde. Wer einen CSD angreift, greift nicht nur einzelne Menschen an. Ein solcher Angriff richtet sich gegen die Freiheit, gegen Vielfalt und gegen das demokratische Versammlungsrecht.

Wir verurteilen den islamistischen Terror eindeutig

Nach dem derzeitigen Ermittlungsstand wird der Anschlag als islamistisch motiviert eingeordnet.[7][13] Sollte sich diese Einschätzung bestätigen, handelt es sich um einen gezielten Angriff auf queere Menschen und auf die demokratische Gesellschaft.

Islamismus ist mit den Grundwerten einer offenen Gesellschaft unvereinbar. Die Vorstellung, queere Menschen seien weniger wert, müssten unsichtbar gemacht oder könnten aufgrund ihrer sexuellen Orientierung oder geschlechtlichen Identität angegriffen werden, ist menschenfeindlich und nicht hinnehmbar.

Wir erwarten eine vollständige Aufklärung der Tat, eine konsequente Strafverfolgung und eine ehrliche politische Auseinandersetzung mit den Ursachen und Strukturen, die solchen Hass hervorbringen.

Kein Platz für rechten Jubel und queerfeindliche Hetze

Ebenso entschieden verurteilen wir den Umgang rechtsextremer und anderer queerfeindlicher Akteur*innen mit dem Anschlag. Wenn Menschen den Tod und das Leid der Betroffenen begrüßen, den Angriff relativieren oder für die eigene politische Agenda nutzen, zeigt sich darin derselbe Hass auf queeres Leben.

Rechtsextreme, islamistische und andere extremistische Ideologien unterscheiden sich in ihrer politischen Herkunft und ihren Begründungen. Gemeinsam ist ihnen jedoch die Abwertung von Menschen, die nicht in ein autoritäres, nationalistisches oder religiöses Weltbild passen.

Queere Menschen dürfen nicht zum Spielball extremistischer Ideologien werden.

Keine Instrumentalisierung der Trauer

Die Trauer der Betroffenen und der Community darf nicht für politische Vereinfachungen missbraucht werden. Der Anschlag darf weder dazu dienen, gegen Schutzsuchende und Migrant*innen insgesamt zu hetzen, noch dazu, rechtsextreme und queerfeindliche Gewalt zu verharmlosen oder staatliche Verantwortung abzuschieben.

Wir lehnen jede Form von Kollektivschuld, Rassismus, Antisemitismus, Islamfeindlichkeit, Rechtsextremismus, Linksextremismus, religiösem Extremismus und Queerfeindlichkeit ab.

Das bedeutet auch: Eine klare Haltung gegen islamistischen Terror darf niemals mit pauschaler Menschenfeindlichkeit gegenüber Muslim*innen oder Menschen mit Migrationsgeschichte verbunden werden. Umgekehrt darf der Hinweis auf Rassismus niemals dazu führen, islamistische oder andere queerfeindliche Gewalt zu relativieren.

Schutz muss konkret werden

Der Anschlag macht deutlich, dass der Schutz von CSDs und queeren Veranstaltungen dauerhaft ernst genommen werden muss. Dazu gehören:

  • gemeinsam mit der Community entwickelte Sicherheitskonzepte,
  • eine enge Zusammenarbeit zwischen Veranstalter*innen, Polizei und Kommunen,
  • gut erreichbare Ansprechpersonen für LSBTIAQ*-Menschen,
  • eine konsequente Erfassung und Verfolgung queerfeindlicher Straftaten,
  • queersensible Aus- und Fortbildungen bei Polizei, Justiz, Rettungsdiensten und Behörden,
  • eine verlässliche Finanzierung queerer Beratungs-, Bildungs- und Schutzangebote,
  • sowie der Ausbau von Prävention gegen alle Formen extremistischer und gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit.

Sicherheit darf dabei nicht erst beginnen, wenn ein Anschlag passiert ist. Queere Menschen müssen sich im Alltag, in Schulen, in Beratungsstellen, in Jugendtreffs, in Clubs und auf Demonstrationen sicher fühlen können.

Wir lassen uns nicht einschüchtern

Die Antwort auf den Anschlag darf keine Angst und keine Spaltung sein. Sie muss Solidarität, Aufklärung und demokratische Konsequenz bedeuten.

Wir stehen an der Seite der queeren Community in Berlin und überall dort, wo Menschen für gleiche Rechte auf die Straße gehen. Wir stehen an der Seite der Betroffenen und ihrer Angehörigen und wir stehen für eine Gesellschaft, in der niemand aufgrund der sexuellen Orientierung, der geschlechtlichen Identität, der Herkunft, der Religion oder der politischen Haltung zum Ziel von Gewalt wird.

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